Johann Philipp von Schönborn 
Kurfürst und Erzbischof von Mainz 1647 – 1673
Gemälde im Schlossmuseum der Stadt Aschaffenburg

Zum neuen Erzbischof wählte das Mainzer Domkapitel am 19. November 1647 den Würzburger Bischof Johann Philipp von Schönborn, der in Bessenbach noch protestantisch getauft worden war. Eines der seinerzeit ins Felde geführten Argumente war, daß er sein großes Territorium von dem genau in der Mitte zwischen Mainz und Würzburg gelegenen neuen Schloß in Aschaffenburg aus bequem regieren könne. Mit energischen Anweisungen an seinen widerstrebenden Gesandten trug Johann Philipp maßgeblich dazu bei, daß die langwierigen Friedensverhandlungen in Münster endlich zu einem Ergebnis kamen. Aufgrund seiner hohen Stellung im Reich stand es seinem Vertreter, dem Aschaffenburger Stadtschultheißen Nikolaus Reigersberger zu, den Friedensvertrag für die Reichsstände an erster Stelle zu unterzeichen.


Unterschrift des Aschaffenburger Stadtschultheißen Nikolaus Reigersberger
unter der Friedensurkunde von Münster

Eine weitere wichtige Entwicklung ist mit dem Namen Schönborn verbunden. Johann Philipp hatte in Würzburg den Jesuitenpater Friedrich Spee von Langenfeld, den Verfasser der Streitschrift gegen den Hexenwahn „Cautio criminalis“ kennengelernt und unterstützte dessen Kampf gegen die unmenschlichen Verfolgungen. Nach seiner Amtsübernahme verbot er die Hexenprozesse in seinen Bistümern, was zur Folge hatte, daß das grausame Treiben im ganzen Reich abflaute. Nikolaus Reigersberger dürfte auch davon wenig begeistert gewesen sein.

Nach dem Tod Kaiser Ferdinand III. kam Schönborn eine wichtige Rolle bei der Wahl des Nachfolgers zu. Neben dem Habsburger Leopold I. bewarb sich auch der Französische „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. um den Kaiserthron. Johann Philipp, der zur Wahl nach Frankfurt eingeladen hatte, entschied sich schließlich für Leopold und ermöglichte damit dessen Wahl.

Schönborn verstarb 1673 in Würzburg. Dem dortigen Brauch entsprechend wurde die Leiche dreigeteilt. Während der Körper im Dom beigesetzt wurde, erhielten die Eingeweide ihren Platz in der Marienkirche der Festung Marienberg. Sein Herz aber kam nicht wie die Herzen seiner Würzburger Amtsvorgänger in das Kloster Ebrach, sondern kam in den Mainzer Dom.

Ein wichtiger Zweig der einflussreichen Familie Schönborn war zu dieser Zeit auch in Aschaffenburg seßhaft. Melchior Friedrich, ein Neffe des Kurfürsten, war hier seit 1672 Mainzer Vizedom und begann 1676 mit dem Bau eines schloßartigen Wohnsitzes, der noch heute als Schönborner Hof ein wichtiger Bestandteil des Stadtbildes ist. Zwei Söhne Melchiors, Johann Philipp Franz und Friedrich Karl erlangten später nacheinander den Würzburger Bischofssitz und ließen die Residenz erbauen. Die Bauherren des herrlichen Barockbauwerkes verlebten also einen großen Teil ihrer Jugendzeit in Aschaffenburg.


Eigenhändige Unterschrift des Kurfürsten
in einem Schreiben vom 7. Juni 1651


Der Jesuitenparter Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635)
Vorkämpfer für die Abschaffung der Hexenverbrennungen
beeinflußte den Kurfürsten Johann Philipp vom Schönborn
 

Ein Blick in den Stammbaum der Familie Schönborn veranschaulicht deren Bedeutung. So errangen beispielsweise gleich 7 Söhne von Melchior Friedrich, der im Schönborner Hof zu Aschaffenburg residierte, höchste kirchliche und staatliche Ämter. Die beiden erstgenannten ließen als Fürstbischöfe die Würzburger Residenz erbauen. Unser Kurfürst Johann Philipp war der Onkel von Melchior Friedrich, dessen Bruder Lothar Franz 1695 ebenfalls zum Kurfürsten von Mainz gewählt wurde.
(Stammbaum aus der Zeitschrift Merian Würzburg 1973)

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